Vorwort |
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| Wer sich mit dem Wiener Wirtshaus des ausgehenden
18. und vor allem des 19. Jahrhunderts beschäftigt, wird auf Publikationen
des Heimatforschers Hans Pemmer stoßen, der 1886 in Wien das Licht
der Welt erblickte (†1972). Der gelernte Pädagoge setzte sich
nach dem Ersten Weltkrieg für die Erhaltung des St. Marxer Friedhofes
ein, ging also während seines Schuldienstes bis 1938 bereits seiner
Leidenschaft als „Stadtpfleger“ nach. Nach 1945 arbeitete er
unter anderem für die Denkmalpflege und wurde vorrangig in der Volksbildung
tätig. Seine ersten Publikationen beschäftigten sich mit den Wiener
Friedhöfen (ab 1924), 1935 erschien seine Publikation „Der Wiener
Prater einst und jetzt“ (mit Nini Lackner). Pemmer gründete 1933
in seiner Wohnung das Pratermuseum, das er 1964 mit über 600 Exponaten
der Stadt Wien schenkte. Heute ist das Pratermuseum im Planetarium beim
Riesenrad im „Wurstelprater“ untergebracht. Der unermüdliche
Heimatforscher beschäftigte sich ebenso intensiv mit dem Wiener Harfenisten-
und Volkssängertum und verfasste eine Dokumentation über „Altwiener
Gast- und Vergnügungsstätten“ [o.J.], die heute in der Wiener
Stadt- und Landesbibliothek als Druckschrift zugänglich ist. Bis zu
seinem Tod arbeitet er am Aufbau eines Museums der Wiener Gast- und Vergnügungsstätten
[Gastronomie-Museum]. 1950 veröffentlichte die Wiener Zeitung eine
ganze Serie seiner Streifzüge durch Alt-Wiener Gaststätten, 1960
erscheint im Amtsblatt der Stadt Wien eine weitere Folge von Hans Pemmer
über Volkssänger und Wirtshäuser. Sie befinden sich im Original
im Archiv des Wiener Volksliedwerkes und haben schon oft bei Recherchen
über Volkssänger und ihren Lokalen mit wertvollen Hinweisen gedient.
Anlässlich der aktuellen Ausstellung des Wien Museum über das
Wirtshaus – Im Wirtshaus. Eine Geschichte der Wiener Geselligkeit,
19. April bis 23. September 2007 – und einer neuerlichen Beschäftigung
mit dem Thema (vgl. Schedtler/Zotti: „Vom Trübsalblasen gar ka
Spur“. Musik im Wirtshaus: von Harfenisten, Volkssängern und
wie der Dudler ins Wienerlied kam, Katalog zur Ausstellung) haben wir uns entschlossen, die beiden Artikelserien neu aufzulegen, um sie einem breiteren Publikum und insbesondere den Besuchern des Wien Museum und der Wirtshaus-Ausstellung zugänglich zu machen. Pemmers Texte erschließen uns die Wiener Gasthauswelt, in der offensichtlich nicht nur getrunken und gegessen, sondern auch geistig gearbeitet wurde. Für den leidenschaftlichen Bibliophilen Pemmer waren viele Namen des geistigen Wiens, die das 19. Jahrhundert geprägt haben, so selbstverständlich, dass er nur ihre Nachnamen nannte. Wir haben heute Schwierigkeiten, allen Namen nachzuspüren, zu erfahren, wen er meinte, wenn er von illustren Stammtischrunden erzählt. Pemmer berichtet von Literaten, Malern, Lithographen, Theaterdichtern, Komponisten, Theaterschauspielern, Volkssängern, Zeitungsherausgebern und -redakteuren, Ärzten, Wissenschaftlern und Nobelpreisträgern. Nach getaner Arbeit trafen sie sich in ihren Lieblingslokalen und besprachen das tagesaktuelle Geschehen oder hörten den Volkssängern und -sängerinnen zu, deren Bühne in der Regel das Gasthaus war. So manch nachhaltige Idee wurde im Gasthaus geboren wie etwa 1841 die Gründung der Wiener Philharmoniker oder 1817 die der legendären Vereinigung Ludlamshöhle, deren Nachfolgerin Grüne Insel (ab 1855) mehr als ein halbes Jahrhundert eifrig in ihrer Ausübung „Kunst in allen ihren Zweigen und den geselligen Kontakt der Wiener Künstler und Intellektuellen untereinander zu fördern“ tätig war. All diese „geselligen“ Runden fanden ausschließlich in Gasthäusern statt, welche durch ihre Stammgäste wie etwa Johann Nestroy, Franz Grillparzer, Franz von Suppé, Johannes Brahms, Franz Schubert oder Rudolf von Alt an Renommee und Bekanntheit gewannen. Das überparteiliche Illustrierte Wiener Extrablatt informierte seine Leser immer wieder von illustren Stammtischrunden und außergewöhnlichen Jubiläen, wie den „25. Gedenktag des ersten Ausschankes von Pilsner Bier“ (19.1.1884), wie Hans Pemmer uns berichtet. Seine Artikel schrieb er vor etwa 60 Jahren; viele der erwähnten Gasthäuser, die zu seiner Zeit noch existierten, sind heute verschwunden. Wir müssen jedoch die Suche nach den Gasthäusern jener Epoche dem geneigten Leser überlassen ... Susanne Schedtler |
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