Bisherige CD-Tipps

Hannes Löschel: "Herz.Bruch.Stück"
Agnes Palmisano, Roland Sulzer, Peter Havlicek: "WIENER HALBWELTEN"
16er Buam: "Wiener Vorstadtblues"
Roland Neuwirth & Extremschrammeln:"Wien g’spürn"
stoahoat & bazwoach: "Wer klatscht, verliert"
Paul Fields und Edi Reiser: "Klassisch"
Exxj – ensemble xx. jahrhundert: "Wien – gegen den Strich"
Eduard Kummer & Ensemble Unicorn: „Laurin“
Joschi Schneeberger Quintett: „Rani 2“
J.B.Moser Conversationen
Neue Wiener Concert Schrammeln: „Auf der Rennbahn “
Die Tanzgeiger: „die tanzgeiger“
Franz Bilik und seine Brogressivschrammeln: „Pfui Teufel, mir graust...“
Zur eisernen Zeit, mit Christian Qualtinger
Des Ano: "Paradies"
Roland Josef Leopold Neuwirth & Extremschrammeln: "Nachtschicht "
Kollegium Kalksburg: "A Höd is a schiggsoi"
Neue Wiener ConcertSchrammeln: "Tanz"
Ernesto: "Appolonerl"
Mnozil Brass: "dasselbe in grün"
Stephan Paryla: "Hur & Moll"
Steinberg & Havlicek: Unhamlich leicht
Hermann Leopoldi: in Amerika
Die Strottern: Wien bleibt Wien
Wiener Symphonia Schrammeln: Weana Gmüat

     
Roland Neuwirth & Extremschrammeln
 

 

 

 

 

 

 

Hannes Löschel: Herz.Bruch.Stück

© 2007 loewenhertz 017
Uraufführung im Rahmen von Wean Jazz
bei wean hean 2005
am 9. Oktober im Porgy & Bess


Hannes Löschels „Herz.Bruch.Stück“ thematisiert die Lebensreisen von der Hochzeit bis ins Grab: Lieder und Zitate von Lehar und Schubert in neuen Arrangements und Interpretationen, alte Wiener Volkslieder, Instrumentalstücke von Johann Strauss, aus den „Kremser Alben“ (der umfangreichsten Sammlung traditioneller Wiener Lieder und Tänze) sowie Eigenkompositionen von Hannes Löschel. Walzer- und Marsch-Grooves pulsieren mit unversiegbaren Beschleunigungen und Haltepunkten. Im Spannungsfeld aus formaler Strenge und Improvisation ergeben sich frappante Querverbindungen zwischen Wiener Musik und Jazz – zwei Musikplaneten, hier als exakt konturiertes Gefüge, niemals als gefälliges Geflecht. Dialekt wird behutsam dort eingesetzt, wo er unaustauschbar authentisches Transportmittel ist. „Herz.Bruch.Stück“ taucht die Spektralfarben der Musik in Festlichkeit, Übermut, verstohlene Lust, philosophischen Zweifel, bacchantische Trauer, Trostlosigkeit und eine Hoffnungslosigkeit, die immer noch lächeln kann. [Peter Ahorner]

     
Roland Neuwirth & Extremschrammeln
 

 

 

 

 

 

 

Agnes Palmisano,
Roland Sulzer,
Peter Havlicek:

WIENER HALBWELTEN – Hinter-, Unter- und Abgründe des Wiener Liedes

Preiser Records © 2006
by non food factory,
nff 2318 ,
www.agnes-palmisano.at/


Innig und verträumt – ist's gar die erste Liebe? – wird „'s Grüaberl im Kinn" besungen; aber mit welch routinierter Endgültigkeit werden hier die bedauernswerten Pokornys und der ewige Verlierer, der Novotny, abgefertigt! Schaudernd erlebe ich bei jedem Hören die nahtlose, eiskalte Verwandlung des kecken „Dur“-Kuckucks (trad.) in Mahlers toten „Moll“-Kuckuck („Ablösung im Sommer“ aus Des Knaben Wunderhorn). Gewagt – gelungen.
Irgendwie landen wir mit dem Schlußlied – Schuberts „Auf dem Wasser zu singen“ – nicht gerade dort, wo wir mit Track 1 („Der Lobdudler“) angefangen haben ... oder doch? In diesen Halbwelten gibt es viele fließende Übergänge. Doch keine Angst: wer sich auf die musikalische und sprachliche Vielfalt dieser CD einlässt wird bald zum Eingeweihten. Denn es ist hier die Rede vom „Wiener Lied“. Und das soll kein Tippfehler sein!
Magdalena Pemberton (München*)

     
Roland Neuwirth & Extremschrammeln
 

 

 

 

 

 

 

16er Buam: Wiener Vorstadtblues

bar less records
CD MA6216/2
www.16erbuam.at

Dreimal schon war ich live dabei! Im vergangenen Herbst, im heimeligen Stüberl des Buschenschank Schöll an einem nebligen Abend; dann im Frühjahr, im Währinger Gewölbe (mit Monika Khoury); und zuletzt hörte ich unser Ottakringer Packl heuer im Sommer, im duftenden Garten des Dornröschenkellers in der Stammersdorfer Kellergasse. Jedesmal sah ich begeisterte und überzeugte Zuhörer um mich.
Was im Booklet der zweiten CD von Patrick Rutka (Knöpferl) und Klaus P.
Steurer (Kontragitarre) steht ist wahr: Sie konservieren nicht, sondern führen fort. Dieses Mal sind fünf der achtzehn Titeln reine Steurer-Lieder (T&M), drei weitere sind von Khoury/Steurer. Wie selbstverständlich mischen sich darunter verträumte Tracks wie I waß a klan's Wirtshaus oder das verschmitzte Galitziberg-Lied.
Besonders vorstadtmäßig ist das neue Liebeslied im 3/4-Takt, Mei Schatzerl is a Häuslfrau. Nicht genug, dass sie an einem Friedhof häuselt; sie tut das, es musste so kommen, in Stadlau! Ein phantastisches Bild! Gibt’s nur in Wien. Chromatisch, bluesig und orientalisch zugleich erzählt uns Track 7, Habibi, dass „Haberer“ und „Araber“ nun ein Reimpaar sind. Eh klar! Und wem das bisher unklar war, der soll die CD schleunigst kaufen und sich updaten. Ist nicht zu übersehen, denn das Coverbild wurde mit Rotwein gemalt.
Magdalena Pemberton (München*)

     
Roland Neuwirth & Extremschrammeln
 

 

 

Roland Neuwirth & Extremschrammeln: "Wien g’spürn"

Warner Music Austria CD
5051-011-4844-5-2, 2006

Der Titelsong am Anfang „Wien g’spürn“ findet wirklich statt. Einschmeicheln, melodiös und verführerisch. Um es vorweg zu nehmen: Eine der besten Neuwirth CDs aller Zeiten. Ein Herzstück dieser CD sind die U-Bahng’stanzeln. Dieses Gemeinschaftsprojekt von Roland Neuwirth mit der „Schule für Dichtung“ und (übrigens, weil auf der CD nicht erwähnt) mit wean hean. Die G’stanzeln werden von Promis gesungen: Fritz Muliar, Bürgermeister Michael Häupl, Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Michael Heltau, Gerd Bronner u.v.a.
Auf der CD gibt’s auch noch eine zweite G’stanzlsammlung. Ebenso nett. Neuwirth abgeklärt zeigt sich in Titeln wie „Es nimmt alles seinen Lauf“, „Knapp vorbei is a daneben“... Kritisch ist er trotzdem geblieben, aber es klingt irgendwie weniger bissig. Bemerkenswert der Titel „Gehn S’, Herr Nachbar“: Ein gesungener Dialog von Roland Neuwirth mit Karl Ratzer. Für Ratzer eine (absolut gelungene) Premiere. Das Booklet liefert die vollständigen Texte mit hochdeutscher Erklärung. Ob das Neuwirths volksbildnerisches Anliegen ist, oder dem segensreichen Wirken seines (germanischen) Managers Andi Köpp zu verdanken ist, kann ich nicht beurteilen. Das Musizieren der Extremschrammeln ist ebenso ungeteilter Genuss, wie die „Überstimme“ Doris Windhager. Jedenfalls: Ein Muss für alle Neuwirth-Fans, eine wichtige CD für alle, die Wienermusik mögen.[HZ]

     
stoajoat & bazwoach
 

 

 

stoahoat & bazwoach: "Wer klatscht, verliert"

Eigenproduktion: Verlag STUDIO17, Traunstein 2005.
Zu beziehen unter:
(t) +43 (0) 664 13 003 31 oder
(t+f) +43 (0) 2878 6840 sowie
office@stoahoat.at; http://www.stoahoat.at/

Eine erfrischende, vierköpfige Volxmusikgruppe, die noch im vorigen Jahrhundert im Waldviertel loslegte und deren lokalkolorierter Biogranit längst über das westliche Niederösterreich hinaustönt, war im Mai mit ihrem aktuellen Programm zum ersten Mal im Bockkeller zu Gast. stoahoat & bazwoach brachte 2005 ihre jüngste von nunmehr bereits fünf CDs heraus. Ein Lob der optisch ansprechenden Cover-Gestaltung!
Der sinnwidersprechend gewählte Titel der neuen CD Wer klatscht verliert offenbart den abermals beabsichtigten kabarettistischen Spaßgehalt dieser Neuauflage kritisch empfundener „Hoamat“. stoahoat & bazwoach ist es ein Anliegen der dörflichen Lebens- und Menschenwelt mit all ihren Unzulänglichkeiten offensiv Respekt zu bezeugen, ja sie stellen ihr geradlinig selbstbewusstes Bekenntnis zur Waldviertler Herkunft und das gewollte Verorten im Dorf geradezu in den künstlerischen Mittelpunkt.
Gleichzeitig bekommt die Bevölkerung eine geballte Ladung Ironie und satirisches Fett ab. Dies passiert liebevoll beißend, nie hämisch, wozu neben dichterischen Eigenkreationen von Johannes Teuschl und Florian Weiß die Texte der beiden Mundartdichter Isolde Kerndl und Erich Stockinger wesentlich beitragen. Dort und da blitzt etwas zu viel regionale Sentimentalität auf, die aber von den vier wendigen Musikanten weitgehend durch unbedarfte Vielfalt wettgemacht wird. Die Suche nach musikalischer Offenheit schließt Parodistisches über volkstümlich-schlageresken Schmalz und „tschin bum trara“ Blasmusik ebenfalls ein, wie Ambitioniertes in Liedermachermanier mit einer Brise Austropop oder Spanisch-Mexikanischem. Wer bei der letzten Nummer, einem gefinkelt verfremdeten Radetzkymarsch, mitzuklatschen versucht, verliert tatsächlich.
Neu dabei ist Angelika Anna Maria Steinbach, die der bislang bedacht gärenden Männerriege besonders geigerischen Schliff verpasst und kompositorisch mit sensiblen Besinnungen auf Alpenländisch-Volksmusikalisches in Erscheinung tritt.
Gemeinsam greifen die schwungvollen Multitalente auf einen wahren Instrumentenfundus zurück, der bis hin zu Gemshorn, Schwegel und Okarina reicht, aber auch das (manchmal zu übermütige) A Cappella Singen einschließt. Alles in allem versprüht große Herzenslust, die für die Zukunft Entwicklung erwarten lässt.
Der Wunsch durch zähe Widerstandskraft des Örtlichen den groben Problemen der Welt entgegenzutreten ist wichtig, solange eine weltoffene Art des Zuhause-Seins spürbar bleibt. [IM-K]

     
Exxj
 

 

 

Paul Fields und Edi Reiser: "Klassisch"

Granit records, C & P 2002 (009)
Zu bestellen unter:
music@fields.at

Der Wiener Spitzen-Kontragitarrist Eduard Reiser legte hier mit seinem Duopartner, dem Violinisten Paul Fields eine beachtenswerte Instrumental-CD mit Eigenkompositionen vor. Der langjährige Wegbegleiter von Karl Hodina lässt das Wienerlied-Genre ein wenig links liegen und konzentriert sich auf eine höchst gefühlvolle Welt voller Romanzen, Poeme und Serenaden. Die wienerische Musik hat zweifelsohne auch eine romantische Seite, in den Stücken von "Klassisch" ist die Romantik jedoch omnipräsent. "Klassisch" ist die musikalische Herangehensweise und die Aufführungspraxis des Duos, die Klänge sind jedoch dem 19. Jahrhundert mit seinen Verbindungen zur europäischen gehobenen Unterhaltungsmusik zuzuordnen (Valse Lido, Café Hungaria, Florenz, Valse Musette oder Venezia). Der Standort Wien lässt jedoch ebenso grüßen – mit Zitaten und vertrauten Klängen (Die Favoritner, Die Kagraner). Mit seinem Partner Paul Fields (von ihm sind Serenade op. 2 und Sentimental Feel) erzeugt Edi Reiser eine dichte Atmosphäre entspannender und leicht melancholischer (bisweilen trauriger) Klänge und Melodien. In sich stimmig und empfehlenswert! [Sche]

     
Exxj
 

 

 

Exxj – ensemble xx. jahrhundert: "Wien – gegen den Strich"

Gramola 98773

Hier setzen sich österreichische Komponisten mit der Wiener Volksmusik und ihren „identitätstiftenden Komponenten“ auseinander. Dirigent und Theaterwissenschaftler Peter Burwick und sein Ensemble XX. Jahrhundert initiierten das Projekt und sprachen unter anderem Oskar Aichinger, Otto Lechner, Franz Kogelmann, Erich Urbanner und Vladimir Pantchev an. Die CD legt eine Auswahl aus den vielen Kompositionen vor, die im Auftrag des Ensembles entstanden. Am tiefsten in der Wiener Volksmusik verwurzelt ist der Akkordeonist Otto Lechner, der sich in der Tradition des vazierenden Stadtmusikanten in seinem Schaffen ethnologisch und ironisch mit dem Wesen des urbanen Liedes und seiner Semantik auseinandersetzt (Christian Baier im booklet). Aber auch Oskar Aichinger und Franz Kogelmann sind mit der populären Musik Wiens vertraut und vor allem mit den über die Maßen besungen Sujets („Heut’ hab’ i scho mei Fahn’l, Tr. 5) Das Wienerische ist in den überwiegenden Stücken deutlich zu spüren, sei es durch die Bearbeitung oder dem Zitieren bekannter Melodien oder dem rhythmischen Fluss der Tänze, die schon die Hälfte des Repertoires ausmachen. Auch die humorvolle Interpretation von „Wir gengan heut’ nach Nussdorf hinaus“ des Bulgaren Vladimir Pantchev ist durchaus liebevoll gemeint und zollt der Wiener Volksmusik jeden Respekt. Wer immer die zeitgenössische Auseinandersetzung mit der Alt-Wiener Volksmusik nicht scheut, möge beherzt zu der CD greifen, sie lohnt es! [Sche]

     
Eberhard Kummer & Ensemble Unicorn
 

 

 

Eberhard Kummer & Ensemble Unicorn: „LAURIN“, Epos und Schwank im mittelalterlichen Tirol

ORF CD 363

Auf den ersten Blick (oder ersten Takt) ein Minderheitenprogramm: Mittelalterliche Erzählliteratur aus dem Gebiet des heutigen Südtirols. Der Sagenkreis um „Dietrich von Bern“ (Theoderich d. Große) wird hier vorgestellt. Das vordergründige Problem der CD ist unser tiefes: Sie verlangt Aufmerksamkeit und Konzentration. Beides stellen wir Stresskulturbürger uns nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Unser Alltag zwischen Fremd- und Selbstbeschleunigung lässt kaum Raum zum Hören so alter G’schichten deren Inhalt man sich (wenn’s schon unbedingt sein muss) auch wesentlich schneller und geraffter erzählen könnte. Dazu noch ein dickes Booklet mit allen Texten (Deutsch, Mittelhochdeutsch und Italienisch) zum Mitlesen beim ersten Anhören. Das alles verspricht bildungsbürgerliche Schwerarbeit. Und doch empfehle ich diese CD aufrichtig und uneingeschränkt den wenigen Luxusgeschöpfen, die über ihre Zeit (wenigstens zum Teil) selbst verfügen können und wollen. Von Eberhard Kummer überzeugend und meisterhaft gesungen erschließen sich Schönheit und Tiefe der Erzählungen und Texte. In Variation von „per aspera ad astra“ müsste man sagen: „Durch Kummer zum Schönen“. [HZ]

     
Joschi Schneeberger Quintett:  Rani 2
 

 

 

Joschi Schneeberger Quintett: "Rani 2"

City Park Records, Cipa-3020-2

Karl Hodina, Maler und Spezialist für Alt-Wiener Tänze, macht aus seiner Liebe zum Jazz kein Geheimnis. Besonders gerne spielt er mit dem Kontrabassisten und Bandleader Joschi Schneeberger, der den in den 1930er Jahren vom legendären Django Reinhardt populär gemachten Sinti-Jazz pflegt. Nun ist die erste CD des Joschi Schneeberger Quintett erschienen, mit von der Partie sind Sohn Diknu Schneeberger (12 Jahre alt!, Rhythmusgitarre) Striglo Stöger (Rhythmus- und Leadgitarre), sowie die „Gadjos“ (also Nicht-Zigeuner) Aaron Wonesch (Klavier und Flügelhorn) und Karl Hodina am Akkordeon. In einem harmonischen Reigen von zehn Stücken zeigt das Quintett souverän-lässiges Zusammenspiel und große Begeisterung für ihre Musik. Die CD beginnt mit der Komposition „Für Silvia“ von Hodina, sicherlich eine Hommage an seine Tochter.
Liebevoll lässt er seine virtuosen Finger übers Akkordeon gleiten, dabei immer in Gedanken beim Ensemblespiel. Die Musiker stellen erfreulicherweise ihre eigenen Stücke vor, jeweils zwei von Striglo Stöcker, Joschi Schneeberger und Karl Hodina, „Birds of paradise“ stammt von Aaron Wonesch. Die Musik reißt einen buchstäblich aus den Alltag heraus, zuhören und genießen ist das Motto. „ Eine wirklich herrliche CD, die man sich unbedingt zulegen sollte, wenn man sich ernsthaft für Jazz interessiert, von einer immensen Band, die man sich allerdings auch unbedingt einmal „live“ anhören sollte“, schreibt Axel Melhardt vom Jazzland. Also: nix wie hin! [SuS]

     
J. B. MOSER CONVERSATIONEN
 

 

 

J. B. MOSER CONVERSATIONEN
Doppel-CD
Die Conversation vor dem Versatzamte & Die Conversation im Paradeisgartel
Musik: Ernst Kölz. Mit: Gerhard Ernst - Claudius Kölz - Josef Krenmair. Am Klavier: Alexander Kukelka

Preiser Records: PR 90604 (ISBN : 3-7085-0067-9)

Als Claudius Kölz das erste Mal auf Johann Baptist Mosers (1799-1863) humoristische Szene "Die Conversation im Paradeisgartel" stieß, erkannte er sofort deren literarischen Wert und begann nach weiteren Werken Mosers zu suchen, um diesen zu Unrecht vergessenen Bühnenautor dem Publikum zu präsentieren. Auf der vorliegenden Doppel-CD präsentiert er nun Bearbeitungen zweier Einakter Mosers sowie eigene Couplettexte, die Ernst Kölz (Komponist der legendären "Schwarzen Lieder") im zeitgerechten Biedermeierstil vertont hat.

     
Neue Wiener Concert Schrammeln
 

 

 

Neue Wiener Concert Schrammeln: "Auf der Rennbahn"

Preiser Records PR 90653

„Die „Neue“ von den „Neuen Wiener Concert Schrammeln“ ist da! „Auf der Rennbahn“ beweist einmal mehr auf eindrucksvolle Weise die herausragende Stellung dieser vier Ausnahmekönner innerhalb der Wiener-Musik-Szene. Nicht nur die technische Brillanz und die einzigartige Musikalität des Quartetts lassen aufhorchen, vielmehr sind die musikalischen Stationen dieser Rennbahn erwähnenswert. Der Bogen spannt sich von Johann Schmutzer über Johann Strauß Vater, der mit den Chineser Galoppen, dem Kettenbrücken Walzer und Jugendfeuer anlässlich seines 200. Geburtstages in vortrefflicher Weise geehrt wird, bis hin zu ganz Neuem: Peter Havliceks Auf die Zechn Tanz, übrigens eine Live-Aufnahme aus dem Bockkeller, führt die Tradition gelungen fort. Wie wir es von ihnen gewohnt sind interpretieren sie auch die anderen Großmeister der Wiener Musik souverän. Franz Schubert, Johann Schrammel, Josef Strauß (Die Libelle ist nämlich von Josef Strauß und nicht, wie am Cover fälschlicher weise angegeben von Johann Strauß Vater), Richard Strauss, Josef Mikulas und Pepi Wichart. Kammermusik vom Feinsten. Doch dann das Wagnis: Angeregt von Otto Brusatti findet eine Beschäftigung mit Arnold Schönberg statt, die ihren Niederschlag auf der CD findet. Mit den legendären Klavierstücken op. 19 bricht Schönberg mit der traditionellen Harmonik. Das zweite und dritte dieser Stücke, arrangiert von Günter Haumer, dem Meister der chromatischen Knopfharmonika im Quartett, erklingen auf der CD, brechen allerdings in keiner Weise mit der Tradition. Ganz im Gegenteil: Aus den wenigen Noten entstehen beim Hören wunderschöne Klanggemälde, fantastisch wienerisch. Was soll man sagen? Wer wagt gewinnt! [RK]

     
Die Tanzgeiger: "die Tanzgeiger 2"
 

 

 

Die Tanzgeiger:
"die tanzgeiger 2"

Bogner Records 58083

„Zentralfriedhof, Endstation. Bitte alle aussteigen!“ Wer Ende Juni 1999 zu den Live-Aufnahmen für die damals geplante zweite Tanzgeiger-CD zum Schutzhaus am Zentralfriedhof anreiste, hatte gute Chancen, in den Genuß dieser wohl tiefsinnigsten aller Wiener Linien-Stationsansagen zu kommen. Aus verschiedenen Gründen wurden die damals bei Sauna-Temperaturen aufgenommenen Stücke dann aber doch nicht veröffentlicht, man unternahm vielmehr vier Jahre später im Konzertsaal des Haydn Konservatoriums Eisenstadt einen neuen Anlauf, der in die lange erwartete CD mündete. Die Gruppe selbst muß dem Bockkeller-Publikum wohl nicht extra vorgestellt werden. Das ist gut, weil zeilensparend. Hier nur so viel: auch die jüngste personelle Frischzellenkur (Trompeter Klaus Huber ersetzte Tanzgeiger-Veteran Toni Straka) wurde offenbar unbeschadet überstanden.
Live gibt die Gruppe vor allem tanzbare Gebrauchsmusik, also Walzer, Polkas und Boarische zum Besten, was Rudi Pietsch und seine musikalischen Mitstreiter aber zum Glück nicht daran hinderte, sich den Luxus einer davon doch etwas abweichenden Platte zu leisten: So findet man neben einigen zur Ländlerfamilie gehörenden Stücken satte 2 1/2 Geigenjodler (jene Gattung, von der Albert Hosp im „Pasticcio“ so schön sagte, hier mache eine Stimme der anderen eine Räuberleiter), eine Bläserweise und – als besondere Kuriosität – einen Tango aus den 30er-Jahren. Die Brücke zur Wiener Musik wird über zwei Lieder geschlagen, den „Dornbacher Pfarrer“ (Hauer/Kaderka/Berg) und das von Carl Lorens geschriebene „Im Fruajahr wenn der Schnee zergeht“, das mit den Namen der damals immer zahlreicher nach Wien strömenden Tschechen (es sei hier an die sogenannten „Ziegel-Böhm“ aus Favoriten erinnert, wo es ja heute noch den „Böhmischen Prater“ gibt) spielt, letzteres dargeboten von Rudolf Pietsch und dem Kapfenberger Emigranten Dieter Schickbichler. Die Harmonika, auf der Volker Gallasch dieses Stück begleitet ist übrigens ebenfalls eine „Zuagraste“: Das etwa hundert Jahre alte Instrument stammt vom legendären burgenländischen Harmonikamacher Stainer, der vor allem für in die USA ausgewanderte Landsleute produzierte, und wurde von Rudi Pietsch im Rahmen seiner Forschungen in Übersee re-importiert. Ebenso weitgereist ist der Szép Asszonynak Kurizalok-Czárdás, der von einem burgenländischen Kroaten in die USA mitgenommen wurde.
Was die Besetzung anbelangt, schöpfen die Tanzgeiger aus dem Vollen ihrer Möglichkeiten und bieten eine Palette wechselnder Farben an: der ganze Haufen zusammen, Streicher alleine, Bläser alleine, Harmonika solo, Gesang mit Harmonika und Baß, Gesang alleine ... Besonders interessant die enthaltene Auswahl an „Linzer Tanz’“, bei denen in der Regel ja nur die Geigenstimmen überliefert sind: Anstelle des ursprünglich von den Linzer Geigern verwendeten Bassetls vertraute man die Ausgestaltung der Baßstimme dem Cellisten Stefan Kropfitsch (Jess-Trio Wien) an. Die letzten sieben Stücke der CD bringen unter dem Subtitel „Erinnerungen“ übrigens einen Ausschnitt aus den eingangs erwähnten Aufnahmen des Jahres 1999, wohl eine kleine Hommage an die damaligen Gruppenmitglieder, im speziellen die unvergessene Franziska Pietsch-Stockhammer. [HD]

     
Franz Bilik und seine
 

 

 

Franz Bilik und seine Brogressivschrammeln: „Pfui Teufel, mir graust...“

aus der Schaffensperiode 1957–1973

Zur Erinnerung: Die „Brogressivschrammeln“ bestehen aus Franz Bilik in seinen Funktionen als „Sprechgesang“, „2. Gitarre“, „letzte Geige“, „Texter“ und „Arrangeur“. Die Begleitung der 12 Stücke teilen sich die
„Classic Swing Company“ und „One Family“. Franz Bilik, Ur-, Gründer-, Pilgrimfather der Wiener Liedermacher, in mancher Deutung Austropop-Großvater, ist vielen nur mehr in vager Erinnerung. Eine einzige LP gibt Zeugnis von seinem Schaffen. Und diese wurde jetzt erfreulicherweise als CD herausgebracht. „Pfui Teufel, mir graust“ ist eine kritisch-witzige Auseinandersetzung mit der Wiener Seele und der Gesellschaft. Sie stammt eben aus der Zeit weit vor der „Wende“, in der man sich noch Gedanken über die Gerechtigkeit der Welt gemacht hat und nicht davon überzeugt war, dass „der Markt“ alle Probleme der Menschheit lösen wird. Jetzt, wo wir langsam begreifen, dass das „freie Spiel der Kräfte“ nur einige wenige Sieger und viele, viele Verlierer generiert, haben Biliks Texte eine ganz neue Aktualität. [HZ]

     
Zur Eisernen Zeit
 

 

 

Zur eisernen Zeit mit Christian Qualtinger

Preiser Records PR 90570

Ich tu mir etwas schwer: Diese CD gefällt mir - und ich weiß nicht genau warum. Hier sollte man sich aus der Affäre ziehen und sagen: Hören Sie sich das einfach selbst an. Aber so leicht macht man mir's nicht. Also: Da ist einmal Christian Qualtinger. Ein großer Name. Wie immer in solchen Fällen Chance und Hypothek zugleich. Die Stimme ähnelt dem "Original" - streckenweise stark. Der Dialekt wirkt auf mich manchmal etwas überzeichnet. Die Texte von Christian Qualtinger könnte man vielleicht mit "bittersüßer, komprimierter wortspielerischer Geschwätzigkeit" umschreiben. Unterhaltsam immer, häufig witzig, gelegentlich lustig, lustvoll auch das "Oadinäre" auslotend. Interessant sind auch die Booklet-Illustrationen von CQ. Ich bin allerdings kein Therapeut und kann so keine letztgültigen Erklärungen dazu liefern.
Zur Musik: Unter Leitung des Gitarristen Marcus Ratka, von dem auch die Bearbeitungen stammen, spielen: Bertl Mayer (Mundharmonika), Roman Gottwald (Violine und Akkordeon) und Uwe Urbanowski (Kontrabaß). Und das sehr gut, engagiert und abwechslungsreich. Eine CD für alle, die Wien "zum Fressen gern" haben. [HZ]

     
Des Ano: "Paradies"
 

 

 

Des Ano: "Paradies"

Preiser Records PR 96001

"Des Ano": 5 Künstler. Davon allen "Volksliedwerkern" bekannt: Walther Soyka, Peter Havlicek, Traude Holzer. Dazu: Max Gruber /Stimme, "Rhythmisch ausgeführte Stimme" und Claus Riedl: Geige, Gesang, Beats & Programming.
Am Booklet steht unter dem Titel: "Rhythmisch ausgeführte Poesie". Da der Rhythmus zum Wesen der Poesie gehört (wenn dort auch häufig subtiler), müßte man eigentlich ergänzen: rhythmisch vereinfacht ...
Weiters zu lesen: "'Des Ano' ist die Fortsetzung einer typisch österreichischen Musik- und Literaturtradition, dieser vor allem so wienerischen Verbindung von Lyrik, Musik, Modernität und Performance, die untrennbar verbunden ist mit Namen wie Abraham a Sancta Clara, Johann Nestroy, Ernst Jandl, Konrad Bayer, H.C. Artmann und Helmut Qualtinger." Kein geringer Anspruch. Die größtenteils dunkelgrauen Texte stammen von Max Gruber, der auch die Ein- und Überleitungen spricht. In etwas nonchalantem "Hochdialekt". Komposition und Arrangement besorgte Claus Riedl. Das Eingangsstück "wien, wien, nur du allein" stammt von Walther Soyka.
"Paradies" ist eine CD, die zu Auseinandersetzung anregt, nichts zum "entspannten" Zuhören oder gar "Genießen". Auch nicht unbedingt "echten" Wienermusikfans anzuraten. Aber für alle, die Freude an Sprache, Dialekt und (mitunter doch auch etwas strapaziösen) gerappten Wortfeldübungen haben, ist sie sicher ein (Geheim?)-tipp. Und im Frühling auch leichter verkraftbar, als etwa im Spätherbst. Zu deutlich ist das in Wien so beliebte intellektualistische Spiel mit dem Negativen, der Grauslichkeit, und dem Tod. Und der schwarze doch-irgendwie-Humor der "schwoazn Dientn" geht mir hier ab. So ist mir der "Ringelspüb'sitzer" letztlich doch lieber als der "rafen-schdecha", wenn dieser auch dem "h.c." gewidmet ist. [HZ]

     
R. J. L.  Neuwirth & Extremschrammeln
 

 

 

Roland Josef Leopold Neuwirth & Extremschrammeln: "Nachtschicht"

WEA 2002 0927-45761-2

Für diese kurzen Tage mit den langen Nächten kommt die neueste Neuwirthsche CD gerade recht: "Wår da Tåg schiach und grau, der is auf und davon, weil des Leben fångt erst ã(n) bei der Nåchtschicht", vernimmt man. Und während einem selbst urplötzlich die Müdigkeit in die Glieder fährt, findet man sich leicht tramhapert bei Neuwirth wieder und wird von ihm hineingezogen in eine verrauchte, sch(w)ummrige Atmosphäre, in der allerlei sonderbare Gestalten auftauchen und von den flachsig-wollenen Klängen der Extremschrammeln wieder ins Nichts gestossen werden. Und Neuwirth selbst? Der "Narrische mit dem Strohhut" trällert im abendlichen Stossverkehr versonnen La Paloma, besingt seinen Fixstern, keucht übers Stiagnsteign und wünscht sich (einmal mehr) einen "neuch'n Körper". Das Aufbäumen ist aber einer stillen Resignation gewichen. Das Alter verklärt oder versteinert, meinte Marie von Ebner-Eschenbach. Bei Neuwirth deutet sich wohl Ersteres an. So geht er frohgemut mit der Uschi auf ein Sushi, mit der Moni auf Canelloni und mit der Mizzi auf ein Schnitzi. Mit dem Erfolg, dass ihm der Magen druckt, die Zähne schmerzen und sich die ganze Wöd draht. Gut, dass an dieser Stelle Doris Windhager den Solopart übernimmt. So kann sich Neuwirth derfangen und das nächtliche Beisammensein in geschmeidig-mollerten Klängen taktweise ausblenden. Lãngsam, lãngsam lõst si di Wöd ins Klåre auf... Schad, dass Sie (noch) nicht dabei waren... [GSP]

     
Kollegium Kalksburg
 

 

 

Kollegium Kalksburg: "A Höd is a schiggsoi"

Extraplatte 2002

Die Jazzmusiker Heinz Ditsch, Paul Skrepek und Vincenz Wizlsperger gründeten das Kollegium Kalksburg 1996. Ihre Art, das ehrwürdige Wiener Lied vorzutragen, schwankt stets zwischen penibler Werktreue und humorvoller Dekonstruktion hart an der Grenze zum Sakrileg. Ihre heuer erschienene CD "A Höd is a schiggsoi" ist eine herrlich skurrile Mischung aus im besten Wienerisch gesungenen Liedern nicht-traditioneller Art und Inhalts, Zwischenlesungen der hörbar japanisch-gebürtigen Yoshie Maruoka und Zitaten bekannter Seemanslieder aus dem fernen Norden. In einer kühnen Interpretation wird die Homersche Odyssee neu aufgerollt, man erfährt, wie Odysseus zu seiner großen Reise aufbricht und nach zwanzig Jahren wieder zum heimischen Herd kommt...
Die musikalische Ausführung der Odyssee führt über die altbekannte Besetzung Akkordeon und Kontragitarre zu grellen Ausflügen in die elektronisch verzerrte Welt der "Kinderelektrogitarre" von Vincenz Wizlsperger und den "klezmerischen" Klarinettensoli von Martin Zrost, der neben Yoshie Marouka als "Zwischenleserin" zu dem Trio gestoßen ist. Sogar getanzt wird auf der CD, auch wenn man's nicht sehen kann... [SuS]

     
Neue Wiener ConzertSchrammeln
 

 

 

Neue Wiener ConcertSchrammeln: "Tanz"

Preiser Records PR 90493

Die "Neuen Wiener ConcertSchrammeln" zählen zweifellos zu den besten und aufregendsten Formationen dieser Gattung. Zur neuen CD der vier jungen Musiker (Peter Uhler, Vladimir Ziu, Günter Haumer und Peter Havlicek) kann man vorbehaltlos gratulieren. Sowohl Auswahl und Reihung der Stücke dieser CD gefallen mir ausnehmend gut, wie auch die Interpretation. Der weite Bogen reicht von den "traditionellen" Tanz von Debiasi, Schmutzer, Schrammel, Strauß und Kronegger über Mikulas bis zu Kompositionen von Krzystof Dobrek, Leonhard Paul, Manfred Kammerhofer und Peter Havlicek. Immer wieder beweisen die Neuen Wiener ConcertSchrammeln, daß es einen geglückten Mittelweg zwischen sauberer, akademischer und doch etwas blutarmer Interpretation und einem herzhaften, aber nicht immer kontrollierten, "Dirty-playing" geben kann. [HZ]

     
Ernesto: Appolonerl
 

 

 

Ernesto (Kirschner) - Harfenist und Leiermann von Wien: "Appolonerl" - Liebeslieder aus dem Hinterhof

Vielen ist "Ernesto", nicht zuletzt von seinen Auftritten im Bockkeller bekannt. Dieser liebenswürdige und stimmgewaltige "Leiermann und Harfenist" hat eine neue CD mit 14 Stücken herausgebracht. Neben der, bereits im Titel angedrohten, Harfe, spielt Ernesto noch Drehleier und Dudelsack. Allesamt Instrumente, die (zu Recht?) weitgehend ausgestorben sind. Trotzdem kann man sich dem Zauber der Bordunmusik schwer entziehen und Freunde von Bänkelsang und Balladen werden diese CD besonders mögen.
Außer dem "Appolonerl" findet man u.a. das "Bettelmandel", die "Eigenschaftswörter von Wien", die "Blunz'n und die Leberwurst". Ebenso das seinerzeit sehr berühmte "Fischerlied" in 4 Teilen bzw. Fassungen. Das ist wirklich interessant, wenngleich auch etwas ermüdend. Aber der Wille zur Vollständigkeit hat überall seinen Preis. Vor allem die Interpretation von "Drunt im Liachtenthal" läßt die Harfe in mutmaßlich authentischer, d.h. doch sehr eigenwilliger "Harfenistenstimmung" vernehmen. So herum war die "guate alte Zeit" wahrscheinlich doch (auch musikalisch) fragwürdiger als uns lieb ist. [HZ]

     
Mnozil Brass: dasselbe in gruen
 

 

 

Mnozil Brass: "dasselbe in grün"

Erfrischend und spritzig kommt auch die neue CD der Mnozil Brass daher: das aus 7 jungen Musikern bestehende Bläserensemble, dessen Geburtsstunde im Wiener Gasthaus Mnozil (1. Bezirk) schlug, lassen mit "dasselbe in grün" einen musikalischen Schnürlregen niederprasseln, dem die Frische von ländlichen Blasmusikfrühschoppen ebenso anhaftet wie eine rasante Komik (etwa im Stil von Tom & Jerry.) Originell wie die Titel ("Kasperlboarisch", "Pudding für Hansi", "Der Webseitige") ist auch die Booklet-Aufmachung mit dem "1. Konzert zum Selberbasteln", das die Musiker als Ausschneidepuppen offeriert... [GP]

     
Stephan Paryla: Hur & Moll
 

 

 

Stephan Paryla: "Hur & Moll"

Seit einiger Zeit tourt Stephan Paryla bereits mit seinem Programm "Hur & Moll".
Jetzt kann man die "Lieder nach der Sperrstund" auch auf CD erleben. Was aber nur den halbe Genuß der "Live-Show" bedeutet. Die vor allem optisch aus der Spannung des sich derb gebenden "Machointerpreten" und seinen vorzugschülerhaften Begleitjungfern lebt.

Zum Inhalt selbst: Beginnen tut das ganze mit den weithin (zumindest dem Namen nach) bekannten "Spittelbergliedern". Das sind Vierzeiler deftigen, pornographischen und häufig auch eher ungustiösen Inhaltes, die angeblich im 19. Jhdt. irgendwen (etwa den Kronprinz Rudolf) erregt haben sollen. Heut kann man das in jeder Wald- Wiesen und Jelinek Theateraufführung erleben. B'soders is des nix mehr.

Das erotische Lieder & Zoten auch Teil unserer Kulturgeschichte sind, ist schon klar.
Erfreulich ist, daß Stephan Paryla diese Sexualg'sangeln trotzdem nicht unter irgendwelchen "wissenschaftlichen Aspekten" publiziert. Sondern einfach "just for fun". Nur ist in einer Zeit, wo von jedem Zeitschriftenstandel die hübschesten Pornotanten lächeln, der Erregungsfaktor eben ein geringerer. Dafür kann er ebenso wenig wie die Spittelberglieder.

Von der Zusammenstellung und auch musikalisch ist diese CD durchaus in Ordnung und empfehlenswert. [HZ]

     
Steinberg und Havlicek
 

 

 

Steinberg & Havlicek: Unhamlich leicht

"Unhamlich leicht" bringen Steinberg & Havlicek in zarttransparenter Manier mit Kontragitarre und Duogesang Lauschig-Sommernächtliches ("Wann um Mitternacht die Sternderl plauschen" Heller/Schima), duftige, selbstvertonte Liebeserklärungen ("Alanech fia dii" Artmann/Holzer), Leichtfüßig-Textintensives ("I lass mi jetzt akupunktier'n" Kaderka/Schima) und Herb-Traditionelles ("Granatntanz"). Bei der Neuinterpretation von "In dem Herbst" werden eingefleischte Neuwirthfans zwar ein paar harmonische Facetten vermissen, sie reiht sich aber berührend in die abwechslungsreiche Hörfolge ein. Ungewohnt kommt wohl auch der "Lemonimann" daher, der - bisher als selbstbewußter Kaufrufer verstanden - bei Steinberg & Havlicek klanglich in eine Sagenwelt zu entschwinden scheint. Verstärkt wechselt Traude Holzer (alias Steinberg) ins komische Fach, das sie witzig und originell meistert ("I bin z'schwach auf der Brust" Lorens/Roth). Am schönsten erblühen die Stimmen der beiden bei Titeln wie dem (nach Ernst Kein selbstvertonten) "Herbstlied". Zu den größten Pluspunkten dieses beliebten Duos zählt der gelungene Spagat zwischen geliebter Tradition und (z.T. selbstgeschaffenem) Zeitgemäßen sowie die spürbare Sorgfalt im Umgang mit dem gesungenen Wort. [GP]

     
Hermann Leopoldi in Amerika
 

 

 

Hermann Leopoldi in Amerika.
Preiser Records 90060

Als Hermann Leopoldi, einst gefeierter Wiener Klavierhumorist, nach Amerika emigrieren mußte, gelang es ihm, eine zweite Karriere aufzubauen. Und das, obwohl er der englischen Sprache nicht mächtig war. "Da wär's halt gut, wenn man englisch könnt'", war der Wiener Charmeur nicht nur im gleichnamigen Lied überzeugt.

"Leopoldi spricht deutsch mit englischem Akzent", schmunzelte man. Nichtsdestotrotz gelangen ihm exzellente Übersetzungen von "In einem kleinen Café in Hernals" ("The little Café down the street") und dem "Stillen Zecher" ("I'm just a quiet drinker"). Am Erfolg nicht unbeteiligt: seine Gesangspartnerin Helly Möslein, die in 3 Duetten mit Leopoldi zu hören ist. Weitere herzhafte Nummern sind: "Der Kalbsbraten is' aus!", "Schnucki, ach Schnucki" und "Ach, sie sind mir so bekannt". [GP]

     
die Strottern - Wien bleibt Wien

 

 

Die Strottern: Wien bleibt Wien
Delta Music

Ein "Strotter" ist, dem Dialektlexikon nach: "Einer, der strotten geht".
Nun gut, und was heißt "strottern"?: "Gelegenheitserwerb suchen, in Kanälen usw. nach Verwertbarem suchen". Aha. Da sind Klemens Lendl (Gesang & Geige) und David Müller (Gesang & Gitarre) tatsächlich fündig geworden. Zwar nicht gerade in den Kanälen, aber in den Musikarchiven. Das junge Duo holt Altbewährtes wieder hervor: "Altes Fiakerlied", "Mir is's alles ans", "Schön is so a Ringelspiel"... und macht aus seiner nekrophilen Haltung keinen Hehl: Neben "Wann i amol stirb" findet sich: "Ich will die Leichenträger ärgern". Ob das mit dieser Platte gelingt?... [GP]

     
Winer Symphonie Schrammeln - Weana Gmüat

 

 

Wiener Symphonia Schrammeln: Weana Gmüat.
Koch CD 324 443.

Die fünf Musiker decken mit ihrem Instrumentarium die gesamte Bandbreite der traditionellen Schrammelmusik ab: im Quartett und im Terzett, in der Besetzung mit Harmonika, 2 Geigen und Kontragitarre, bzw. mit der hohen G-Klarinette, dem sog. "picksüaßem Hölzl", oder der Querflöte. Das Repertoire: Musik von Schrammel, Fahrbach, Drescher, Strauß... Neben dem Walzer, der Polka und dem Marsch kommt auch eine volksmusikalische Besonderheit zu Ehren: Der "Tanz", der in der Wienermusik allerdings nur zum Zuhören bestimmt ist. [GP]