| CD-Tipp |
Es gibt einen bösen Witz über die Musik von Richard Wagner: Nach einer Stunde tapferen Zuhörens, wo (scheinbar) recht wenig in der Musik und auf der Bühne passiert, schaut man ungeduldig auf die Uhr und stellt entsetzt fest, dass erst fünf Minuten verstrichen sind und man noch lange ungeschützt dasitzen muss. Umgekehrt scheint es bei Fei Scho zu sein, in der Hinsicht, dass unglaublich viel in fünf Minuten passieren kann, diese fünf Minuten zeitlos wirken und – dass man möchte, der Abend bzw. die Musik möge nie aufhören.
Die 14 Tracks haben jeweils eine Länge von 1’23 bis 5’32. Einige davon entführen derart in eine andere Zeit, dass ich anfangs dachte, ich unterliege einer Sinnestäuschung. Dies mag an der unmittelbaren Intensität und Echtheit der Darbietung liegen, die sich sozusagen eher in die Tiefe als in die Breite entfaltet.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich Fei Scho, die im Juli 2008 im Bockkeller auftraten, nur vom Namen her kannte, bis ich Oktober 2008 die CD-Präsentation hier im „Schlachthof“ (ein Katzensprung von meiner Münchner Wohnung) live miterleben durfte. So müde, dass ich den Abend um ein Haar abgesagt hätte, war ich bis zur Pause hellwach und wie auf Strom. Ich war wieder froh, auf der Welt zu sein.
Stefan Straubinger wurde schon einmal als der Jimmy Hendrix unter den Drehleier-Spielern beschrieben. Seine Drehleier – bzw. sein Spiel – passt vom Klang her erstaunlich gut zu den anderen Instrumenten – Flöte, Kontrabass und Gitarre. Abwechselnd spielen die Musiker auch Schwegel, Blockflöte und Perkussion; Stefan Straubinger spielt noch Bandoneon, und alle singen. Sie spielen Volksmusik aus Bayern und den Alpen, aus Südsibirien und den skandinavischen Ländern, alles in neuer Frische.
Dazu Eigenkompositionen.
Im Booklet steht ein Zitat von Gustav Mahler: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“. Fei Scho zeigt wie. Zu meinen Lieblingstracks gehören „Funky Ferdl“ von Stefan Straubinger und der „Opa-Landler“ (trad.). Der „Tanz aus Montafon“ erinnert an die traurige Geschichte der Vorarlberger Bergbauernkinder, die im 19. Jahrhundert als Arbeitskräfte nach Schwaben verkauft wurden.
Und das dänische Stück „Gaestebud“ ist unwiderstehlich, betörend – reinste Rattenfänger-Musik!
Fei Scho: Vom Ländler zum Funk
LC 00403 © Tap Tone, München 2008
E 15,–; www.fei-scho.de
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