CD-Tipp 

Legende, Original, Grandseigneur des Wienerlieds. Mit welchen Bezeichnungen ist man Kurt Girk nicht schon zu Leibe gerückt bei dem Versuch, einem der dienstältesten Diener des Wienderliedes gerecht zu werden. Das alles ist nicht falsch, es ist aber deshalb noch lange nicht ganz richtig im Sinne einer hinreichenden Beschreibung. Spricht Girk in seinen Moderationen von diesem oder jenem Musiker, dem er viel verdanke, oder den er einfach als Komponist bewundert, so pflegt er immer anzufügen: So an findest heit nimma. Das kann man über ihn schon zu Lebzeiten sagen: So einen wie Kurt Girk findet man kein zweites Mal. Deshalb muss man letztlich wohl bei folgender Formulierung Zuflucht suchen: Kurt Girt ist Kurt Girk ist Kurt Girk. Der Mann entzieht sich jeder Kategorisierung, und das „Frank Sinatra von Ottakring“ kann er vielleicht selbst nicht mehr hören. Von seiner Bedeutung für das Wienerlied her wäre es jedenfalls mindestens so legitim zu sagen: Frank Sinatra ist der Kurt Girk der USA.
Und dass seine Stimmgewalt zuletzt nicht mehr ganz die Kraft früherer Jahre erreichte, tut dieser Bedeutung keinen Abbruch, wie die eben erschienene CD Klingt Kurt! zeigt, die das Wiener Volksliedwerk gemeinsam mit dem ORF herausgebracht hat. Eigentlich müsste man an dieser Stelle gar keine weiteren Worte darüber verlieren, denn Sie haben den Silberling ja wohl ohnehin schon verstanden und sich selbst ein Bild gemacht. Dieses dürfte dann – und das ist gut so – wenig überraschend ausfallen: Egal, was für ein Stimmvolumen Girk in einem gewissen Lebensabschnitt zur Verfügung steht – emotional gibt er immer alles. Mindestens. Ein Lied, das er nicht mit 100 Prozent Einsatz singen würde, würde er nicht singen, und vielleicht ist das ja das Geheimnis seiner Authentizität.
„Klingt Kurt!“ hebt gleich mit einem Lieblingsstück Girks an, den Weana Vollblutkindern, und stellt in der Folge die ganze Bandbreite seines Repertoires dar: Von ganz Alten (Arten der Liebe von Sioly), über Selbstgestricktes (A Liadl für d’Roserl) bis hin zur klassischen Girkschen „Schlagerparade“: Die Dreieinigkeit von Du hast umsonst gelebt / Das Blumenmädchen von Neapel / Im Rosengarten von La Plata und natürlich das berüchtigte Stolze Herz. Als Mitstreiter hat sich Girk den wunderbar weich spielenden Herbert Bäuml an der Harmonika und Rudi Koschelu an der Kontragitarre gewählt, der tatsächlich immer noch besser wird, auch wenn er das in seiner Bescheidenheit selbst wahrscheinlich gar nicht merkt. Am Ende stehen noch einige historische Aufnahmen. Dass allerdings im Himmel der Ziehrer spielt, hat als Gerücht zu gelten. Denn wenn auf der Erde der Girk singt, hat der Ziehrer oben Pause. [Helmar Dumbs]  

Klingt Kurt!
Der Wiener Natursänger Kurt Girk
© ORF 2008, CD 3047
In Zusammenarbeit mit dem Wiener Volksliedwerk

Kurt Girk