CD-Tipp 

Eine wienerische (Tonsatz)übung (1) - nicht zu verwechseln mit einem chromatischen Ländler – eröffnet schlicht irritierend die erste, heißersehnte CD von Tesak & Blazek „knopf. und kontra.“ Und dann folgt auch schon ihr großer Hit: „i glaub i hob rebleis“ (2). Dieser führt leichtfüßig in die Wienwelt eines Ergotherapeuten und Steuerberaters ein. Doch eigentlich sind Christian Tesak (Knopfharmonika) und Martin Blazek (Kontragitarre) - das ultimativ anziehend-gegensätzliche Wiener Packl-Gspann aus Klosterneuburg - kreativ musikalische Köpfe, die hier mit dem Topos Wein und Wienerlied spielen, aber auch mit ihrer Art und Weise, Mundart zu leben, überzeugen, ohne der Distanz abhold zu werden. Der geheime Integrationsminister Walther Soyka hat nun die CD auf seinem Label „non food factory“ produziert und herausgebracht. Die Themen handeln natürlich nicht nur vom Wein, sondern feuern auch Speerspitzen und Wurfgeschosse wider die wienerische Natur ab. Trotzdem haben Tesak & Blazek als moderate Modernevertreter des Wienerliedes einen „sonnigen Liegeplatz“ auf der Luftmatratze mitten im „Wienerischen Biotop“ gefunden.
Der Steuerberater achtet darauf, dass das Format im Lot bleibt, während der Therapeut Plastizität mit Witz liefert. So bringen sie gemeinsam wirklich humorige aber auch bissige Bilder hervor (7, 10, 12). Aus dem Fenster lehnen sie sich dabei nur insofern, als dass sowohl altes als auch junges Publikum gefangen genommen wird. Ob alle Zuhörer immer die mitgelieferte Ironie verstehen, sei dahingestellt.
Ein beträchtlicher Teil der Titel auf der CD ist wienerischen Standards gewidmet, ungeschmückt und ohne Putz, gut erzogen, aber doch a bissl vorwitzig. Der Schelm leuchtet den beiden Musikern aus den Augen und Spaß haben die Kumpanen nicht nur mit sich allein. Klassische Wiener Tradition (4-6, 8, 11, 14, 17), darunter u.a. „da eigschliffene“ (4), „d klognfurta“ (5), „d urndtlichn leit“ (11) oder „zwa tanz“ aus den Kremser Alben (8), nimmt man den beiden „ungschauta“ ab. Besonders hervorzuheben wäre noch Alexander Katzenbergers „lumpentanz“ (14), den man auf diese Weise so schnell nicht mehr zu hören bekommen wird: Martin Blazek greift hier neben seiner Kontragitarre gleich zweimal zur Geige! Der instrumentale „seitnwechsla tanz“ aus der Feder Christian Tesaks ist ein weiterer Wonnebrocken in Sachen weiterentwickelter Wienermusik. Hier hat nicht zuletzt Großmeister Walther Soyka mit dem Weana Tanzvirus infiziert, oder?
Mit den „u-bahn gstanzln“ (9) zollen Tesak & Blazek alsdann jenen urbanen Gstanzln Tribut, die in der Wiener Bevölkerung Feuer gefangen haben und längst zum Synonym für kreativ-pointierte Jedermann(frau)-Dichterei geworden ist. Neben Christian Tesaks Faxen und Kreationen liefert Caterina Satanik - 2009 beachtete Autorin beim Bachmann-Preis in Klagenfurt - kluge, nachdenklich-behutsame Texte zu zwei Wienerliedern. Wie schwer es fällt, alltägliche Entscheidungen zu treffen wird in „mei wog is in da schwebe olle dog“ auch musikalisch auf die Zerreißprobe gestellt (3). In „deaf jo ned sein“ (15) demontiert sich der Tagtraumverliebte selbst, um doch wieder der Phantasie anheim zu fallen.
Bevor die CD zum Ausklingen kommt, werden noch ein paar Achteln getrunken (16), alsdann die Instrumente zur Seite gestellt und nicht nur alles doppelt gesehen, sondern auch doppelt gesungen. In „die lustigen fualeit“ (17) werden plötzlich aus zwei Stimmen mehr …
Der Frischling am Markt, auf den schon alle gewartet haben, ist nun da! Nun möchte das (Spar)schwein gefüttert werden. Also einwerfen und zugreifen! im .[IM]

Tesak & Blazek: knopf. und kontra.
© nonfoodfactory 2011
Euro 15,-; erhältlich im wvlw

Tesak & Blazek