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Neuerscheinung „Leopoldiana“
Die Publikation präsentiert ein völlig neues Bild des „Klavierhumoristen“ Hermann Leopoldi. Seine Kompositionen verfolgen alle kulturellen und historischen Abschnitte vom Ersten Weltkrieg bis zu seinem Tod im Jahr 1959. Sie spiegeln musikalisch wie thematisch den mittel- und osteuropäischen Wirkungsraum Leopoldis in den krisenhaften und vital-frivolen 20er und 30er Jahren sowie seine Inhaftierung in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald. |
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LEOPOLDIANA
Gesammelte Werke von Hermann Leopoldi und 11 Lieder von Ferdinand Leopoldi
Hg. von Ronald Leopoldi, wissenschaftlich betreut von Christoph Lind und Georg Traska
mit Vorworten von Georg Kreisler und Roland Neuwirth
(Beiträge zur Wiener Musik Bd. 2, hg. vom Wiener Volksliedwerk)
Vertrieb: Musikverlag Doblinger oder wvlw, Euro 60,- |
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Das neue Standardwerk
Bockkeller-Zeitung
Standardwerke und Liederbücher
Wir empfahlen
Das Archiv des Wiener Volksliedwerks beinhaltet eine reichhaltige Bibliothek
zum Themenkreis Wien & die Wienermusik. Durch Ankäufe und unsere
eigene Forschungstätigkeit wird dieses Angebot ständig ergänzt
und auf den aktuellsten Stand gebracht.
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Das neue Standardwerk:
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Wienerlied und Weanatanz
hrsg. von Susanne Schedtler im Auftrag des
Wiener Volksliedwerkes, Wien: Löcker Verlag 2004
(Beiträge zur Wiener Musik, Bd.1)
Mit Beiträgen zur Geschichte des Wienerliedes von seinen Anfängen
bis zur Gegenwart,
nebst Kurzbiografien zu Komponisten und Textautoren, Bibliografie, farbigem
Bildteil, Liedtitel- und Namensregister.
Abb., mus.Not., 241 S. ISBN: 3-85409-412-4, Hardcover
Im Buchhandel Euro 25,00
Im Wiener Volksliedwerk Euro 19,80 (zuz. Versandkosten)
Dieses Buch ist zugleich eine umfassende, aber auch übersichtliche
Dokumentation relevanter Themenbereiche der Wienermusik in ihrem sozio-kulturellen
Kontext, von ihren historischen Wurzeln bis zur Wiener Moderne ab 1900.
Das Wienerlied und die Wiener Musik werden dabei nicht isoliert betrachtet,
sondern in dem größeren Kontext der Unterhaltungsmusik und
angrenzender Bereiche wie Theaterlied, Kabarett, Operette und Schlager
anschaulich gemacht, die große Themenbreite des Wienerliedes wird
eingehend dargestellt, um so den Horizont über das gängige Klischee
von Wein, Weib, Gesang, Wien und Tod hinaus zu erweitern.
Darüber hinaus stellt dieser Band erstmalig die Sammlung von Archivalien
und Notendrucken des Wiener Volksliedwerkes einer breiteren Öffentlichkeit
vor, darunter Liedflugblätter zwischen 1844 und 1950, die über
die Beliebtheit von Liedern, Liedthemen, Interpreten, Singverhalten eine
Menge aussagen; Lieder, die als »Volkslieder« überliefert
sind, entpuppen sich dabei oft als Werke von bekannten Autoren. |
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Bockkeller-Zeitung
Unsere Zeitung erscheint vierteljährlich und bringt Aufsätze,
Buch- und CD-Tipps, Veranstaltungstermine, Biographisches, Aktuelles zum
Thema Wienermusik. Sollten Sie Interesse an unserer Zeitung haben, senden
wir sie Ihnen gerne kostenlos zu. office@wvlw.at
Die archivierten Ausgaben können
Sie als pdf-file downloaden. |
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Standardwerke und Liederbücher:
Zur Zeit nur antiquarisch erhältlich oder im Wiener Volksliedwerk
einzusehen.
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Streifzüge
durch ein "nasses" Gewerbe
Artikelserie von Hans Pemmer in der Wiener Zeitung [1950]
und dem Amtsblatt der Stadt Wien [1960] über die damalige Wirtshauskultur
Hg.: Wiener Volksliedwerk, Wien 2007 (im Selbstverlag) Bearbeitet und kommentiert
von Iris Mochar-Kircher und Susanne Schedtler
Broschürendruck s/w, 71 Seiten
Erhältlich im Wiener
Volksliedwerk und im WIEN
MUSEUM
Vorwort |
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Josef Koller. Das Wiener Volkssängertum
in alter und neuer Zeit. Wien 1931. Josef Koller, selbst Volkssänger,
bietet mit seinen Memoiren einen hervorragenden Überblick über
das Wiener Volkssängertum von den ersten Anfängen bis in die
1920er Jahre. Der reich bebilderte Band führt die Publikumslieblinge
von einst wieder vor Augen und läßt sie - durch Anekdoten ergänzt
- zu neuem Leben erwachen. Wer sich in die Wienerliedgeschichte einlesen
möchte, ist hiermit gut beraten. Zumal man nicht nur vom Glanz, sondern
auch vom Elend dieses Berufsstandes erfährt. |
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Margarethe Egger: Die "Schrammeln"
in ihrer Zeit. Wien, ÖBV 1989. Mit diesem Buch
legt die Autorin das informativste Buch zu den berühmten Brüdern
Schrammel vor. Sie studierte Briefe und Zeitungsartikel und erschloß
die spannende Biographie der gesamten Musikerfamilie. Darüberhinaus
verfolgte sie deren musikalischen Werdegang, die Tourneen und Konzertreisen.
Von Kronprinz Rudolf ist die Rede, aber auch von den Fiakersängern,
Kunstpfeifern, Paschern und DudlerInnen. Gut leserlich und bebildert erschließt
das Buch dem Leser die vielleicht wichtigste Ära der Wienermusikgeschichte. |
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Eduard Kremser: Wiener Lieder und
Tänze, Bd 1-3, Wien 1911/1913/1925. Der bedeutende Wiener
Chordirigent Eduard Kremser wurde seinerzeit von der Stadt Wien beauftragt,
einen Sammelband zur Wienermusik herauszugeben. Nach dem Motto: "Ehe
es verlorengeht..." Gemeinsam mit Ludwig Gruber machte er sich ans
Werk und veröffentlichte eine Fülle von Kompositionen aus verschiedensten
Zeiten, Vokales wie Instrumentales, Gedrucktes wie nur handschriftlich
Überliefertes. Zudem erging ein Aufruf an die Wiener Bevölkerung,
Material einzusenden - der Erfolg war so groß, daß 2 weitere
Bände nachgereicht werden konnten. Mit dem jeweils informativen Vorwort
bietet diese Wienermusiksammlung einen hervorragenden Einstieg in dieses
Metier, vor allem für Pianisten, denn die Noten sind für Klavier
arrangiert. Wer lieber nach Gehör lernt, dürfte mit der begleitenden
CD-Edition (herausgegeben vom ORF, eingesungen u.a. von Walter Berry &
Heinz Zednik) gut beraten sein. |
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Karl Hodina: O du lieber Augustin.
Die schönsten Wienerlieder. Pichler Verlag, Wien 2. Auflage
1998.
Der bekannte Wienerliedkomponist ("Herrgott aus Sta'") und
Interpret Karl Hodina trifft in diesem Buch tatsächlich eine Auswahl
der schönsten und gefragtesten Wienerlieder: Neben bekannten Titeln
findet sich auch so manches musikalische Kleinod, das nicht vergessen
werden sollte. Der Notensatz bietet eine Melodiestimme samt dazugehöriger
Harmoniebezeichnung. Reich mit Graphiken ausgestattet, lädt der Band
zum Schmökern und Singen ein. Aus dem Inhalt: "Lied vom lieben
Augustin", "Weana Heurigen-Gstanzln", "Im Prater blüh'n
wieder die Bäume", "Das Glück is a Vogerl", "Die
Reblaus", "I bin a stiller Zecher", u.v.a. |
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Roland J. L. Neuwirth: Das Wienerlied.
Zsolnay Verlag, Wien 1999.
Im Jahr des 25jährigen Bestehens seiner "Extremschrammeln" gab Roland
Neuwirth ein Wienerliedbuch heraus, das mit Klaviersätzen zum Selberspielen
einlädt. Er öffnet dabei zahlreiche Schubladen wie: "Rauschiges und Flauschiges",
"Herz, Terz, Schmerz", "Strizzi-, Strich- und Gaunerlieder", "Tot, marod
und hinnich". Eine Einleitung erklärt wichtige Phänomene und Vertreter
der Wienermusik, neben Liedern, die aus der Tradition auf uns gekommen
sind, finden sich hier erstmals auch Neuwirth-Titel in Notenform: u.a.
sein Klassiker "Aber du bist mei Kittlfalt'n". |
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Wir empfahlen: |
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„Leopoldiana“
Gesammelte Werke von Hermann Leopoldi und 11 Lieder von Ferdinand Leopoldi
Hg. von Ronald Leopoldi, wissenschaftlich betreut von Christoph Lind und Georg Traska
mit Vorworten von Georg Kreisler und Roland Neuwirth
(Beiträge zur Wiener Musik Bd. 2, hg. vom Wiener Volksliedwerk)
Vertrieb: Musikverlag Doblinger oder wvlw, Euro 60,-
ISMN 979-0-012-20000-0
ISBN 978-3-902667-23-6
mit Indices nach Entstehungsdatum, Textdichtern und Liedanfängen
Die zweibändige Edition enthält die Lieder Hermann Leopoldis (1888-1959) und 11 Lieder von dessen Bruder und Mitarbeiter Ferdinand Leopoldi (1886-1944).
Die Publikation präsentiert ein völlig neues Bild des „Klavierhumoristen“ Hermann Leopoldi. Seine Kompositionen verfolgen alle kulturellen und historischen Abschnitte vom Ersten Weltkrieg bis zu seinem Tod im Jahr 1959. Sie spiegeln musikalisch wie thematisch den mittel- und osteuropäischen Wirkungsraum Leopoldis in den krisenhaften und vital-frivolen 20er und 30er Jahren sowie seine Inhaftierung in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald. Nach seiner ungemein produktiven Exilanten-Karriere in den USA kehrte Leopoldi 1947 nach Wien zurück und wurde abermals zum ironischen Kommentator der Konsolidierungsanstrengungen Nachkriegs-Österreichs.
Auf Grundlage des unveröffentlichten Leopoldi-Nachlasses wurden in jahrzehntelanger Sammeltätigkeit alle erreichbaren Noten und Schallplattenaufnahmen zusammengetragen und im Druck nicht vorhandene Lieder nachgeschrieben. So kamen 240 Lieder Hermann Leopoldis und 11 Lieder Ferdinand Leopoldis ans Licht. Viele davon sind inzwischen weitgehend unbekannt, nachdem nur ein kleiner Teil im Handel erhältlich war. Edierte Noten werden analog nachgedruckt, nur in Aufnahmen überlieferte Lieder wurden nachgeschrieben.
Der Notenedition folgt im Jahr 2012 eine historische Biografie entlang der Lieder.
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Simon Usaty:
„Ich glaub‘ ich bin nicht ganz normal“.
Das Leben von Armin Berg,
hrsg. von der Armin Berg Gesellschaft
[Armin Berg Gesamtausgabe, Bd.1: Biografie]
Wien: Edition Steinbauer 2009 Im Buchhandel: Euro 22,50
Normal war Armin Berg sicher nicht, vielmehr einer der beliebtesten Wiener Unterhaltungskünstlers zwischen 1900 und 1938. Das „Leben und Schaffen dieses Meisters jüdisch-wienerischen Humors“ ist so beeindruckend, dass sich vor einigen Jahren unter dem Vorsitz des Musikwissenschaftlers und Klavierhumoristen Georg Wacks eine Gesellschaft gleichen Namens gründete, deren Ziel unter anderem die Herausgabe einer Gesamtausgabe aller Texte und Lieder Armin Bergs war. Begonnen wurde nun mit einer von dem jungen Historiker Simon Usaty geschriebenen Biografie. Sie beschreibt detailliert die künstlerische Laufbahn dieses komischen Jargonkünstlers, der gerne seinen großen kräftigen Körper in zu kurze Beinkleider steckte und dessen Trommelverse sich bis heute allgemeiner Beliebtheit erfreuen. Der „Jargon“ bezog sich im Falle Bergs auf das „Jüdeln“ (es gab auch das „Böhmakeln“), welches er perfekt beherrschte. Für Begeisterung und Kritik sorgten damals gängige antijüdische Stereotypen, derer er sich auch als Jude immer wieder und anscheinend arglos bediente. Charakteristisch war sein Understatement, das immer auch auf Kosten des Publikums ging: „Und wenn das Publikum da heute// Diesen Blödsinn sich anhört,// Was ist es denn da, was ist es denn da?// Es ist nichts Besseres wert!“
Armin Berg wurde 1883 als Hermann Weinberger in Brünn geboren und begann noch in Böhmen als Fünfzehnjähriger seine schauspielerische Karriere. Mit achtzehn Jahren trat er das erste Mal in Wien auf, wo er 1908 vom Praterlokal „Zum Marrokaner“ von Heinrich Eisenbach zum damals bereits berühmten „Budapester Orpheum“ abgeworben wurde. Von da an war Berg nicht mehr aus der Wiener Unterhaltungsbranche wegzudenken, er verband das alte Wiener Volkssängertum mit jüdischem Humor. So beliebt Berg und seine anderen jüdischen Kollegen wie Fritz Grünbaum oder Karl Farkas waren, so abrupt war 1938 deren brutales Hinwegfegen von der Wiener Bühne . Im Gegensatz zu Grünbaum erreichte Berg das rettende Exil in New York, von wo er erst 1954, also zwei Jahre vor seinem Tod, nach Wien zurückkehrte. Simon Usaty zeichnet ein allumfassendes Bild dieses ungewöhnlichen Humoristen in seiner Zeit und komplettiert die Biografie mit einem Verzeichnis der von Berg aufgeführten Werke und einer Diskografie. Wer sich für diese hochinteressante Epoche wienerischer Unterhaltungskultur interessiert, dem sei das Buch wärmstens empfohlen. [SuS] |
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Susanne Binder, Gebhard Fartacek (Hg.):
Der Musikantenstadl
Alpine Populärkultur im fremden Blick,
Berlin: Lit Verlag 2006,
ISBN: 3-7000-0541-5
Der Umgang von Intellektuellen und Authentizitäts-Apostel mit volkstümlicher
Musik ist meist jener, sie zu vernadern, zu Schimpftiraden anzusetzen
und gegen dieses umstrittene Kulturphänomen zu wettern. Die nackten
Fakten allerdings sind: Jeder Musikantenstadl wird von rund 7 Millionen
Menschen im Fernsehen verfolgt der Quotenhit stellt somit ein gesellschaftliches
Massenphänomen in unserer globalisierten Zeit dar und vermag über
den gegenwärtigen Stand der Gesellschaft und ihrer Kultur wohl einiges
auszusagen.
Ein internationales, interdisziplinär und interkulturell agierendes
Forschungsteam hat sich nun unter der Leitung von O. Univ.-Prof. Dr. Andre
Gingrich vom Institut für Kultur- und Sozialanthropologie dieses
bislang unterbelichtete Forschungsfeld vorgeknöpft und sich u.a.
die Fragen gestellt: Worin liegt der ungeheure Erfolg des Musikantenstadls
begründet? Inwiefern ist der Musikantenstadl Ausdruck regionaler
Identität und hat gleichzeitig transnationalen Charakter? Die Antworten
darauf werden aus verschiedenen wissenschaftlichen Blickwinkeln auf der
Basis von sozial- und kulturanthropologischen, volkswirtschaftlichen,
soziologischen, philosophisch-historischen, ethnologischen, musikhistorischen
und medienwissenschaftlichen Analysen gegeben.
Forscherinnen aus Rumänien und der Türkei richten zudem den
Blick von außen, den "fremden Blick" auf das öffentliche
Spektakel, beforschen "unseren österreichischen" Stadl
und eröffnen durch diese andere Perspektive neue Einsichten und Einschätzungen
auf unser Selbstverständnis eigener Kultur ein verdienstvolles Untersuchungsverfahren,
das Potential hat. Besonders empfehlenswert ist das Kapitel zur "Ästhetik
des Musikantenstadls" der rumänischen Wissenschafterin Ma?da?lina
Diaconu, die durch ihre Unvoreingenommenheit der Datenerhebung, Interpretation
und Analyse diverser Interviews die "Entdämonisierung"
des Stadls herbeischreibt.
Bei der Durchleuchtung des zielgruppenorientierten Medienprodukts Musikantenstadl
für alles offen zu sein, nicht zu werten und emphatisch zu bleiben,
ist ein schwieriges aber notwendiges Unterfangen, das mit diesem Buch
durchwegs gelungen ist.
Iris Mochar-Kircher |
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Mozartbücher
Es gibt ja kaum einen Schriftkundigen, der zum Mozart-Jubiläum kein
Buch schreibt oder geschrieben hat. Aus der Flut von Veröffentlichungen
habe ich zwei Bücher herausgegriffen:
Melanie Unseld:
Mozarts Frauen, Begegnungen
in Musik und Liebe
Rowohlt Taschenbuch
12/ 2005,
ISBN 3-499-62105-3
Über „Mozart und die Frauen“ wurde schon viel herumschwadroniert.
Allergrößtenteils aus der Sicht und Empfindung männlicher
Autoren. Die weibliche Perspektive in einem historisch gesicherten Umfeld
macht die Stärke und Faszination dieses Buches aus. Viele Frauen
prägten den genialen Künstler: Seine Mutter Anna Maria, seine
liebste Schwester und erste „Künstlerkollegin“ Maria
Anna „Nannerl“, das Augsburger
„Bäsle“, seine geliebte Frau Constanze Weber und deren
Schwester, die gefeierte Sängerin Aloysia. Der weitere Frauenkreis
rekrutierte sich aus Schülerinnen, Gesangskünstlerinnen, Musikerinnen
und Gönnerinnen.
Sauber recherchiert und belegt, sprachlich unaufgeregt aber keine Sekunde
langweilig ist dieses Buch ein erfreulicher Beitrag zu einem abgerundeten
Mozartbild.
Für die aus Karlsruhe stammende Autorin, die an den Universitäten
und Musikhochschulen in Hamburg, Osnabrück und Hannover tätig
war bzw. ist, spielt die Rolle der Frauen in der Musik(-geschichte) eine
besondere Rolle. Eine interessanter web-link zu diesem Thema findet sich
daher im Anhang des Buches: http://www.mugi.hfmt-hamburg.de
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Otto Brusatti:
Mozart auf der Reise
nach Berlin, Novelle
Mitteldeutscher Verlag, 2/2006,
ISBN: 3-89812-365-0
Diese Brusatti’sche Kontrafaktur auf Mörikes „Mozart
auf der Reise nach Prag“ ist natürlich keine. Sie trägt
ebenso die Bezeichnung „Novelle“. Wir erinnern uns an Goethes
Meinung über dieses literarische Genre: „Denn was ist eine
Novelle anders als eine sich ereignete unerhörte Begebenheit?“.
Unerhört wäre es ja tatsächlich, was der Autor da über
das Verhältnis von Mozart mit der Sängerin Josepha Duschek zu
wissen vermeint. Klug eingebettet in einen historisch stimmigen Rahmen
kann Brusatti hier seine Fiktionen Mozartscher Gelegenheitserotik ausleben.
Bevor es so weit ist, muss sich der Leser allerdings noch auf eine Kutschenfahrt
in Richtung Leipzig gefasst machen, die ihm durch eine lang anhaltende
Kunst-&-Naturschönheitsdiskussion zwischen Amadé und irgend
einem Geheimrat erschwert wird. Aber dann kommt die schöne Du?sková.
Eine „sich ereignete Begebenheit“ ist’s so sehr wahrscheinlich
nicht.
Biographen knüpfen historische Fakten aneinander. Brusatti nützt
die Lücken zwischen den Fakten für sein Konstrukt. Interessant
und amüsant ist’s allemal. Und erlaubt doch ungewöhnliche
Einblicke in die Seele – wenn schon nicht Mozarts, so doch Brusattis.
Also: Ein wichtiger Beitrag zum Freud-Jahr. [HZ]
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Wien Musikgeschichte. Volksmusik und Wienerlied
(Hg.: E. Th. Fritz, H. Kretschmer)
,514 S., Abb. mus. Not
LIT Verlag, Wien 2006
(im wvlw erhältlich, 29,90 Euro)
„Was lange währt, wird endlich gut“, meinte Helmut Kretschmer
vom „Verein für Geschichte der Stadt Wien“ bei der Buchpräsentation
am 5. Dezember im Bockkeller. AutorInnen Gertraud Schaller-Pressler und
Ernst Weber haben zwar die Geschichte der Wiener Volksmusik von ihren
Anfängen bis zur Gegenwart vor vielen Jahren niedergeschrieben, doch
erst jetzt konnte der 1. Teil der Wiener Musikgeschichte erscheinen. Für
Band 2 ist die „Ernste Musik“ vorgesehen – immerhin
ist hier einmal der Volksmusik der wissenschaftliche Vortritt gelassen
worden. Folgerichtig beginnt die Aufarbeitung der Wiener Volksmusik bei
einer literarischen Recherche über das Augustinlied, welches um 1800
erstmals in Wien auftaucht. Die Musikwissenschaftlerin und langjährige
Leiterin des Wiener Volksliedwerkes Gertraud Schaller-Pressler lässt
keine Gelegenheit aus, romantischen Legenden und Klischees Paroli zu bieten,
berichtet u.a. vom harten Dasein der Bänkelsänger, Liederweiber,
Harfenisten und Werkelmänner. Diese wurden auf der einen Seite in
Volksstücken am Theater oder in Liedern romantisiert, waren aber
auf der anderen Seite dem Unmut ihrer Mitbürger ausgesetzt. 1895
schrieb etwa der Journalist Porzó über einen blinden Harmonikaspieler:
„Derjenige, der täglich in unserem Hofe erscheint, thäte
besser, wenn er taub wäre; wenigstens würde er nicht den Jammer
der verstümmelten Märsche und der in einer, von der begleitenden
ganz abweichenden Tonart ächzenden asthmatischen Walzer oder Volkslieder
hören [...]“. Ernst Weber widmet sich dann ausführlich
der Volksmusik des Biedermeier, dem Volkssängertum, dem klassischen
Wienerlied und der Schrammelära. Über 100 Seiten sind dem Wienerlied
ab den 1920er Jahren gewidmet, bis hin zur aktuellen Szene „zu Beginn
des 21. Jahrhunderts“. Freilich kann der überzeugte Liebhaber
des authentischen Wienerliedes nicht umhin, das „allgemeine Streben“
mancher Veranstalter „nach Exotik an Stelle von Originalität“
zu rügen (S. 452 f). Hier erscheint es aber angebracht auf eine gewisse
Naivität im Umgang mit dem Begriff „authentisch“ hinzuweisen.
Wie wäre denn dem Ruf nach „authentischen Aufführungslokalen“
nachzukommen? Ist der heutige Heurige so etwas? Der nicht mehr existente
Wirt mit der Pawlatschenbühne?, das „Etablissement“,
das „Café chantant“, die Kabarettbühne?? Man kann
schon darüber jammern, dass sich die Zeiten ändern. Sie tun’s
trotzdem. Und die erzwungene „Originalität“ wäre
letztlich nichts weiter als Musealisierung. Der Autor gerät nicht
nur an dieser Stelle in den wienerischen Sog vergangenheitsbezogener Ideale,
was seinen Erläuterungen ein wenig schadet. Das Buch ist dennoch
in seiner Komplexität die ideale Fortsetzung des 2004 vom Wiener
Volksliedwerk herausgegebenen Bandes „Wienerlied und Weanatanz“
[Beiträge zur Wiener Musik, Bd. 1] und erweitert somit die kleine
Bibliothek wissenschaftlicher Publikationen zur Wiener Volksmusik. [Sche
/ HZ] |
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Dr. Otto Brusatti: Wien. Musik, Eros und Thanatos.
Böhlau Verlag, 2003. ISBN 3-205-77098-6, 235 Seiten.
Gedruckt auf umweltfreundlichem, chlor- und säurefreiem Papier.
Otto Brusatti erzählt über Wien und Musik in Wien. Das ist
nicht besonders neu. Und doch: Seine 18 musikalischen Spaziergänge
durch Wien, angelehnt an Joyce's "Ulysses" und damit an Homers
großes antikes Vorbild aller Umherirrenden sind anders. Hier flaniert
nicht Odysseus / L. Bloom, sondern Otto Brusatti. Und das nicht in der
Ägäis oder Dublin, sondern in Wien. Die gute Nachricht: Otto
B.'s Buch beginnt zwar mit den gleichen Worten wie "Ulysses",
ist aber viel kürzer und entschieden konsistenter. Nur ist nicht
ganz klar, ob das so gewollt ist, oder doch an der (von ihm gerne geheimgehaltenen)
inneren Ordnung und Rationalität Brusattis liegt. Jedenfalls habe
ich den Eindruck, daß Joyce's Phantasiewolken etwas unangestrengter
fliegen - aber damit auch einfach "flüchtiger" sind. Vielleicht
ist's aber nur die Freiheit des Romanciers gegen den doch-auch-irgendwie
Sachbuchautor. Bereits auf der ersten Seite (in Zeile 7) ermahnt Brusatti
sich selbst "nur nicht abschweifen". Was er natürlich nicht
durchhält. Aber dagegen und überhaupt ist "Ulysses"
die Mutter aller Abschweifungen (Die Literaturgeschichte nennt das "vielschichtig"
- auch gut).
Die Kapitelüberschriften von "Wien.Musik" orientieren sich
teilweise an der Odyssee. So kommen Kalypso, Scylla & Charibdis und
Circe wieder in Erinnerung. Vermutlich zufällig sind's die (doch
eher gefährlichen) Frauen, die hier gewählt sind. Aber es folgt
ja das Kapitel zur "Berggasse 19". Der "Hadesweg"
beleuchtet den etwas sonderbaren versternten Kulturtrampelpfad zwischen
Stephansdom und Theater an der Wien. "Retour nach Ithaka" ist
um Alban Berg gesponnen. Übrige Kapitelnamen passen sich den Wiener
Erfordernissen und Eigenheiten an. Auch der "Bockkeller" wird
erwähnt (auf Seite 188), was nicht nur besonders lobenswert ist,
sondern auch Weitblick und Geschmack des Autors erahnen läßt.
Sprudelnde, überschäumende Plaudereien und Erzählungen
über die reiche Wiener Musikgeschichte, zahllose, in Klammern gebändigte,
Zwischenrufe und Gedanken-splitter wechseln mit (häufig durch Fragezeichen
relativierte) Behauptungs-konstrukten und philosophischen Betrachtungen.
Und natürlich fehlt nicht der kritische Blick auf die Wiener Kulturpolitik.
Das Leiden des Autors am eher provinziellen Umgang mit der Großartigkeit
der Musik und ihrer Schöpfer in dieser Stadt ist permanent spürbar:
Der Sarkasmus des frustrierten Liebenden.
Schlußkapitel: Wo sonst Penelope glücklich in Odysseus' Arme
sinkt und Molly Bloom ihren berühmten, interpunktionslosen Zigtausendwortemonolog
herunterraschelt, schleppt Brusatti uns ins Bellariakino, um mit der wienerischen
Filmmusik aufzuräumen. Und doch gibt es auch hier mit "Ungeküsst
sollst Du nicht schlafen gehen" einen fast versöhnlichen, verschlafen-amourösen
Schlußakkord.
Die Sprache: Ausdrucksstark, gelegentlich herb, zuweilen auch deftig,
erinnert wieder etwas an das irische Vorbild. Hätten Homer und Joyce
nur annähernd die Imagination und Sprachgewalt ihres Wiener Epigonen
gehabt - sie hätten wirklich berühmt werden können. [HZ] |
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Gerhard Bronner: Meine Jahre mit Qualtinger. Anekdoten,
Texte und Erinnerungen.
Wien: Amalthea Signum Verlag 2003, 272 S. e 17,90.
"Gerhard Bronner erinnert sich an die Sternstunden der 50er Jahre,
an jene goldenen Zeiten, als das Wiener Kabarett auf dem Höhepunkt
stand. "Der g'schupfte Ferdl", "Der Papa wird's schon richten"
und viele andere Dialoge sind untrennbar mit dem Duo Gerhard Bronner /
Helmut Qualtinger verbunden - eine geniale Symbiose zweier sich wunderbar
ergänzender Künstler. Gerhard Bronner schaute dem Volk auf's
Maul und schrieb unzählige glänzende Dialoge voller Pointen,
die Qualtinger mit seinen Interpretationen bis heute unvergesslich gemacht
hat und von denen viele wieder in den Volksmund eingezogen sind. So ist
dieses Buch eine Fundgrube: Neben einer Fülle von Erinnerungen an
Qualtinger, komischen Geschichten und bisher noch unveröffentlichten
Anekdoten, sind hier auch die Texte der "Klassiker" zu finden".
Soweit zum Klappentext des Buches. Stimmt fast alles, das Buch kann nur
empfohlen werden. Wer freilich noch herrliche Abbildungen aus der Zeit
und eine beiliegende CD mit Bronner / Qualtinger (Preiser Records) dazu
haben möchte, sollte sich an die erste Auflage des Buches unter dem
Titel "Die goldene Zeit des Wiener Cabarets" des Hannibal Verlages
(jetzt Verlagsgruppe KOCH GmbH/Hannibal Verlag) aus dem Jahre 1995 halten.
Die "bisher noch unveröffentlichten Anekdoten" wurden nämlich
damals bereits publiziert. Egal wie, wer sich für Bronner und das
Wiener Cabaret interessiert, sollte das Buch - in dieser oder jenen Auflage
- in seinem Regal haben. [SuS] |
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"Wienerlieder. Von Raimund bis Georg Kreisler"
Herausgegeben von Jürgen Hein, Stuttgart: Phillip Reclam jun. 2002.
- 120 Seiten. € 3, 10.
"Wien und das Lied gelten als unzertrennlich, weshalb sich die Gattung
des Wienerliedes auch gleich in einem Wort schreibt. Und ob die Wienerlieder
nun das wahre Herz der heurigenseligen Stadt treffen, oder das Klischee,
oder die selbst schon zum Typus erstarrte satirische Parodie, das ist
egal, das vertieft nur die Gefühlsbindung zwischen Wienern und Wienerliedern.
Die Sammlung enthält die schönsten, die meistgesungenen (mit
Kommentar für alle des Wienerischen nicht mächtigen), vom Lieben
Augustin oder Der Weaner geht nit unter bis zu Der Tod, das muß
ein Wiener sein."
Soweit zum Buchrücken des handlichen Reclamheftchen, das Professor
Dr. Jürgen Hein vom "Institut für deutsche Sprache und
Literatur und ihre Didaktik" an der Westfälischen Wilhelm-Universität
Münster herausgegeben hat. Das sorgfältig edierte Bändchen
weist neben den 64 Liedern Textnachweise, Literaturhinweise mit Diskographie,
ein alpabetisches Register und ein fünfseitiges Glossar auf. Letzteres
zeigt freilich, dass das Büchlein für ein deutsches Publikum
herausgegeben wurde, das des Wienerischen sicherlich nicht mächtig
ist. Dieser Umstand ist jedoch keineswegs zu verurteilen, sind wir doch
stets bemüht, das Wienerlied zu pflegen und zu hegen - warum sollte
da nicht ein geballtes Interesse von außen ein erfreuliches (und
sicheres) Zeichen sein, dass das Wienerlied sobald nicht vergessen wird?
Das Werk könnte zum vielbenutzten Liederbüchlein im häuslichen
Handapparat werden, wenn da nicht die Noten fehlten. Der Herausgeber verteidigt
seine "notenlose" Strategie allerdings mit dem Hinweis, dass
"die Musik hier gewissermaßen zwischen den Zeilen [sei]"
und die "Verse und Bilder die Melodie evozieren". Ein Nicht-Wiener
hat also nur die Chance, diese Lieder auch zu singen, wenn er tatsächlich
in den von Jürgen Hein angegebenen Liedersammlungen nachforscht (was
natürlich mit einem gewissen Aufwand zu tun wäre).
Die Auswahl der Lieder und Gedichte sind auf die "Klassiker"
und den Werken der bekanntesten Textdichter fokussiert. Chronologisch
sauber aufgereiht reicht die Wiener Poesie vom "Lieben Augustin"
(1679, Anonym) bis in die Gegenwart zum Andrè Hellerschen "Wean,
du bist a taschenfeitel. für Helmut Qualtinger".
Alles in allem stellt das Büchlein für den Wienerlied-Interessierten
eine empfehlenswerte Lektüre da, zumal Jürgen Hein in seinem
ausführlichen Nachwort auf die Geschichte des Wienerliedes eingeht.
[SuS] |
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