Herbert Zottis Raunzerzone

in: bockkeller, 28. Jg., Nr. 1 / Jänner-Februar 2022

Das war schon ein besonderes Jahr! Das erste Halbjahr haben wir ergeben und hoffnungsvoll vor uns hingelockdowned. Dann: ein relativ „normaler Sommer“, wie uns das auch der fesche Exkanzler versprochen hat (von der Herbst-/ Wintersaison hat er ja nix gesagt – außer vielleicht die etwas voreilige Aussage, dass „es“ nach dem Sommer vorbei sein wird). Mit ihm als Kanzler ist’s allerdings vorbei. Darüber hinaus hamma gewartet – und bis ein paar Wissenschaftsquerulanten gedacht, dass es dem Virus irgendwann einmal zu blöd wird. Jetzt, in den vierten Wellenwochen und dem neuerlichen Lockdown (es ist, zumindest in Ostösterreich der 5.) verlässt einem langsam der Hamur. Und dann noch Omikron!
Endlich hat der berühmte Primarius Kickel, echter Hunderttausendsassa und strahlendes Blaulicht, das Covidruder in die Hand genommen und aus seiner Medikamenten-Wunderkiste, nebst der guten alten Vitamine, Pferdeentwurmungsmittel (das Einzige, was von seinen Polizeipferdeträumen geblieben ist?) und Aspirin ausgewählt und legt dies allen Impfzweiflern und Covidleugnern ans Herzchen, um die Freiheit zu retten und der Pharma- und Impfmafia ein Schnippchen zu schlagen. Befreit von Pfizer! (Viagra natürlich ausgenommen), werden wir dann unsere restlichen Tage mit Long-Kickel-Syndromen verbringen, die Neurologen zufolge vorwiegend in den Bereichen oberhalb der Nasenwurzel auftreten. Jetzt gibt’s schon die ersten physischen Vergiftungen, nicht als Alternative zu geistigen Lähmungserscheinungen, sondern zusätzlich!
Wenn man die täglichen, weitestgehend unreflektierten Rufe nach Freiheit und Demokratie hört, muss man ja froh sein, wenn die Schulen offenbleiben, damit die nächste Generation nicht mit gar so infantilen Vorstellungen herumrennt (vielleicht eine übertriebene Hoffnung?). Ich habe jedenfalls schon viele Jahre nicht mehr so komprimierten Schwachsinn gehört, wie in den letzten Monaten.
Wie immer: Es wird scho‘ glei dumper. Jetzt werden wir Weihnachten, Silvester und vielleicht auch noch Ostern im kleinen Kuschelkreis feiern. Und unsere Geschenke von Weihnachtsmann Bezos liefern lassen. Oder wir machen überhaupt Zoom-Feiern mit all unseren Freunden und schenken virtuell. Oder auch gar nicht. Aber wenn es aus den Familien- und Freundeskreisen dann auch wieder von fern und nah tönt: „Impfpflicht ist Mordversuch“ oder ähnlich dämliche Befindlichkeitsrülpser, dann heißt’s alle Kraft zusammennehmen und cool bleiben. In der Weihnachtszeit kann man schon einmal den Apostel Paulus zitieren: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe…“ (Eph.4,2). Ums Ertragen geht’s also! Auch wenn Freunde, Verwandte und manchmal auch Fremde die friedfertige Geduld im Übermaß strapazieren. Wir werden noch einen langen Atem und viel Langmut benötigen. Vielleicht hilft auch das, üblicherweise von Eheleuten virtuos beherrschte „Weghören“. Trotz alledem: Frohe Weihnachten und ein gutes und gesundes Jahr 2022!

H. Zotti